Heinz Strunk

Sa 03.08.2019
Zelt

Life’s a bitch

Einsamkeit, Sexualnot, Körperverfall, Trostlosigkeit – das ist grob umrissen der thematische Kosmos seines Neuen Buchs „Das Teemännchen“, in dem Heinz Strunk mit diversen bizarren und großartigen Kurzgeschichten albtraumhaft-groteske Bilder heraufbeschwört. Ein Hubert Selby der deutschen Literatur, könnte man meinen, wäre da nicht immer dieser Aberwitz, der selbst den schlimmsten menschlichen Abgründen Momente von abstrusem Humor anhaften lässt. Etwa, wenn sich Kleinwagen zum Aufstand gegen die Menschen erheben oder sich eine Schönheitskönigin durch ihre Arbeit im Schnellimbiss in eine alte Vettel verwandelt. Oder ein Mann an der Autobahn auf einem Windrad gekreuzigt wird und die Story den euphemistischen Titel „Über den Wolken“ trägt. Oder, wenn das durch gemeinsam gepflegtes Mittelmaß und Stagnation auf ewig aneinander gekettete Paar Marion und Michael bei Tempo 85 auf der Autobahn eskaliert.

Kotze, schweiß und Rülpsgeruch – brutal und intensiv präsentiert Strunk im „Teemännchen“ seine Geschichten über Versagertypen wie auf dem Seziertisch und verpackt meisterhaft Verstörendes in fesselnde Literatur. „Dass ich nach wie vor Übermenschliches leiste, brauche ich hoffentlich nicht weiter zu betonen“, stellt der Autor selbst über sein vielschichtiges Schaffen klar, das vom Kurzhörspiel bis zum Spielfilm reicht. Ersten Ruhm erlangte er 2004 mit seinem Roman „Fleisch ist mein Gemüse“, der ebenso wie sein Buch „Jürgen“ mit Charly Hübner und Strunk selbst in der Hauptrolle erfolgreich verfilmt wurde. Darüber hinaus ist er Fraktus- und Studio Braun-Mitglied sowie Querflötist. Strunk ist Trumpf, auch beim WES 2019!